Vier Dinge, die ich gelernt habe, als mein Flieger ohne mich davonflog.

An diesem Sonntag, auf dem Flughafen Berlin-Brandenburg, habe ich vier Dinge gelernt. 

1. Menschlichkeit ist eine Entscheidung, die wir täglich treffen. 

Egal in welcher Situation – sei es an einem hektischen Flughafen, an Feiertagen, unter Stress oder während einer langen Schicht – wie wir mit anderen umgehen, ist unsere eigene Entscheidung. Möchten wir die Mitarbeiterin am Serviceschalter sein, die einer weinenden Kundin kühl mitteilt, dass sie nichts tun könne? Oder die Flugbegleiterin, die einer aufgelösten Mutter ihre persönlichen Notfalldatteln anbietet, um sie zu beruhigen? Oder vielleicht die freundliche Dame mit den Hasenohren (Ostersonntag!), die einer weinenden Frau Trost spendet, versichert, dass alles gut wird und dann aktiv zur Lösung des Problems beiträgt?

2. Wachstum geschieht oft dann, wenn man glaubt, nicht bereit dafür zu sein. 

Obwohl ich nicht weiß, wo der Fehler lag und warum ich erst bemerkte, dass etwas nicht stimmte, als das Flugzeug bereits abgehoben war, erinnere ich mich an die Panik, die einsetzte, als mir klar wurde, was passiert war. Klar, so ein verpasster Flug ist keine Gefahr für Leib und Leben, noch nicht einmal ein Weltuntergang, aber in diesem Moment fühlte ich mich einfach verunsichert, überfordert und überhaupt nicht bereit für persönliches Wachstum.

3. Wir sind oft zu mehr fähig, als wir uns selbst zutrauen.

Im Rückblick bin ich schon ein bisschen beeindruckt von meiner Leistung an diesem Sonntag. Trotz der nicht enden wollenden Tränen, trotz Wut, Hilflosigkeit, Zeitdruck und massiver Überforderung habe ich gehandelt. Ich bat um Hilfe, akzeptierte Abweisung, nahm mich der Situation an und ließ mich nicht davon abhalten, überhaupt weiter zu reisen.

4. Mama ist die Beste.

Wer uns die Weiterreise finanziell ermöglicht hat, war meine Mama. Ohne zu zögern bezahlte sie per Direktüberweisung die neuen Flugtickets. Und während ich mich noch in der Abwärtsspirale darüber aufregte, wie mir so etwas überhaupt passieren konnte, meinte sie: „Es ist doch nur Geld. Hauptsache, euch geht es gut.“ Danke Mama.