Allein. Im Dunkeln.

Ich habe Angst allein im Dunkeln. Mehr noch habe ich Angst, allein in einem dunklen Wald. Doch vor ein paar Jahren entschied ich mich für eine Ausbildung zur Erlebnispädagogin, bei der das allein-im-Wald-übernachten praktischer Teil der Lehrinhalte war. Ich freute mich auf diese Nacht, bis mir klar wurde, dass ich dafür im Wald übernachten musste. Allein. Im Dunkeln. Diese Nacht war die längste Nacht meines Lebens.

Es regnete heftig und ein Sturm tobte, beides unheimlich laut. Als der Regen endlich aufhörte, klang jeder weitere Tropfen wie ein Donnerschlag in der Stille des Waldes. Zudem war es eiskalt und ich unzureichend ausgestattet, weit entfernt von Thermokleidung und Outdoor-Equipment. Ich lag auf einer Isomatte und in einem Schlafsack, unter einer Regenplane, die als einziger „Schutz“ diente. Jede noch so kleine Maus klang wie ein herannahendes Wildschwein. Ich versuchte, meiner irrationalen Angst rational zu begegnen. Das Schlimmste, was passieren könnte? Der Angriff eines Axtmörders. Unwahrscheinlich. Dann der Angriff eines gefährlichen Tieres. Das gefährlichste Tier in Brandenburg? Das Wildschwein. Mein Ausbilder hatte mir diesbezüglich aber schon vorher gesagt, dass ich nicht auf dem Speiseplan des Wildschweines stand und es daher einen Bogen um mich machen würde, sobald es mich roch. Doch die Angst blieb. Diese tiefe menschliche Ur-Angst vor Dunkelheit und dem Gefühl der Natur ausgeliefert zu sein. Ich verkroch mich ganz tief in meinem Schlafsack und hielt bis zum Ende aus. Und darauf bin ich bis heute stolz.

Ich hatte beschlossen, mich dieser einen Angst zu stellen. Am Ende war mir klar: Ja, die Angst ist da und ja, ich kann sie nicht einfach abschalten. Aber ich kann lernen, sie zu integrieren, indem ich neue Erfahrungen mache, die mir zeigen, dass mir nichts passiert, während ich mich meiner Angst entgegenstelle. Ich habe noch immer Angst im Dunkeln, aber diese Nacht hat mir gezeigt, dass ich damit umgehen kann. Und sie hat mich nicht davon abgehalten, es wieder zu tun.

Und jetzt lass mich deine Geschichte hören. Wann hast du zuletzt deine Komfortzone verlassen?