
Ich habe eine neue Theorie. Es scheint mir, als wäre mein Unterbewusstsein ganz erpicht darauf, mich in die verwegensten Abenteuer zu führen, nur um mir dabei zuzusehen, wie ich mich darin behaupte. Diese Abenteuer sind nicht bloß schwierig, sie sind beängstigend, unangenehm, überfordernd, demütigend, unkontrollierbar – ein wahrer Sturm an Emotionen, in den ich niemals freiwillig eintauchen würde. Doch mein Unterbewusstsein hat einen Plan. Es kennt meine Ängste, weiß, wo meine Grenzen sind und lockt mich in eine Falle, die ich viel zu spät als solche erkenne. Und sobald ich in diese Falle getappt bin, beginnt das Spiel.
Ich kämpfe, ich ringe, ich arbeite mich heraus – und bislang habe ich es immer irgendwie zum Ausgang geschafft. Und hier wird es spannend. Diese Fallen zeigen mir dann sehr genau, was ich bereits gelernt und verinnerlicht habe und wo noch Aufholbedarf besteht. Manchmal denke ich, einen Schatten der Vergangenheit bereits überwunden zu haben, nur um dann festzustellen, dass er noch immer da ist. Und manchmal glaube ich, für etwas noch nicht bereit zu sein und stelle dann überrascht fest, dass ich doch schon weiter bin, als ich dachte.
Aber, ganz gleich, welches Ergebnis sich am Ende offenbart, ich bin wie ein Perpetuum Mobile, das sich selbst am Laufen hält. Denn jedes Mal, wenn ich diesen Sturm an Emotionen durchgestanden habe, weiß ich, ich kann das wieder schaffen. Egal, wie unwohl ich mich in der Situation selbst gefühlt habe, wenn ich darauf vertraue, dass sich letztendlich alles zum Guten wenden wird, stärkt das mein Gefühl von Selbstwirksamkeit und auch mein Vertrauen in mich selbst. Und damit bin ich gerüstet für das nächste unbekannte Abenteuer.
Ja, dieser Prozess ist unangenehm. Er rüttelt mich auf, zwingt mich dazu, meine Träume, Hoffnungen, aber auch meine Erwartungen und Ansprüche an mich selbst zu überprüfen. Doch am Ende des Tages zeigt mir der Sprung ins Unbekannte, wo genau ich stehe. Diese Momente sind es, in denen ich am meisten wachse, die wertvollsten Erfahrungen sammeln kann und aus denen die besten Geschichten entstehen. Und einer guten Geschichte konnte ich noch nie widerstehen.
