Mein Chamäleon

Meine Bequemlichkeit ist wie ein Chamäleon. Sie kann sich perfekt tarnen und oft merke ich gar nicht, dass sie überhaupt mitmischt.

Manchmal warte ich auf den perfekten Zeitpunkt, um etwas anzupacken, obwohl ich weiß, dass dieser perfekte Zeitpunkt niemals kommen wird. Meine Bequemlichkeit verkleidet sich an dieser Stelle als Perfektionismus und hält mich davon ab, Risiken einzugehen. Dann gibt es diese Momente, in denen meine Bequemlichkeit sich als rationale Argumentation tarnt. Plötzlich finde ich tausend logische Gründe, warum ich etwas nicht tun kann oder sollte. Das Ergebnis? Ich bleibe passiv.

Passiv bleibe ich auch beim Planen. Ich kann mich in endlosen Details verlieren, meine Ideen bis ins Letzte ausarbeiten und dann – nichts. Es fühlt sich an, als wäre ich super aktiv, aber in Wirklichkeit bewege ich mich keinen Zentimeter. Hier hat meine Bequemlichkeit mal wieder ganze Arbeit geleistet. Das tut sie auch beim Entscheidungen hinauszögern. Das können wir ebenfalls sehr gut. Angeblich aus Angst, die falsche Wahl zu treffen. In Wahrheit allerdings sitzt meine Bequemlichkeit in einer dunklen Ecke, reibt sich die Hände und lacht sich ins Fäustchen. So vermeiden wir gemeinsam die Verantwortung und die damit verbundene Arbeit.

Und kennst du Prokrastination? Ich nenne das einfach eine schlechte Angewohnheit. Aber wenn ich ehrlich bin, ist es meine tief verwurzelte Bequemlichkeit, die verhindern möchte, dass ich mich mit unangenehmen oder anspruchsvollen Aufgaben auseinandersetze. Und dann der Klassiker: Ich kann oft keine Prioritäten setzen und bin dann den ganzen Tag beschäftigt. Am Ende stelle ich allerdings fest, dass ich nichts Wichtiges erledigt habe. Meine Bequemlichkeit liebt das, weil sie so den wirklich wichtigen und oft herausfordernden Aufgaben aus dem Weg gehen kann.

Es ist nicht einfach, diese listige Bequemlichkeit zu entlarven und ihr entgegenzutreten. Oft lässt sie mich im Dunkeln tappen und ich verstehe überhaupt nicht, was das Problem ist. Doch ich möchte nicht, dass sie dieses Spiel allzu oft gewinnt. Also halte ich achtsam Ausschau nach ihren Fallen und versuche, ihr nicht ins Netz zu gehen, was leichter gesagt ist, als getan.