Strand der Hirsche

Nach sechs Jahren hatte ich es endlich wieder an diesen wunderbaren Ort geschafft. Das Wasser war sogar noch etwas blauer, als ich es in Erinnerung hatte. Der zarte Streifen zwischen Meer und Strand schimmerte noch immer in zartem Pink. Kaum vorzustellen, dass vor ein paar Jahrzehnten noch der gesamte Sandstrand pink war. Leider muss der Mensch immer alles mitnehmen und besitzen. Deshalb zeugt heute nur noch ein zarter Schimmer für Staunen, hier am Strand von Elafonissi, im Westen von Kreta.

Elafonissi. Das heißt übersetzt so viel wie „Strand der Hirsche“, was merkwürdig ist, denn hier gibt es weit und breit keinen einzigen Hirsch. Dafür legen Schildkröten ihre Eier in den warmen Sand. Und wenn deren Bewohner schließlich schlüpfen, krabbeln sie direkt zurück ins Libysche Meer. Und da stehe ich jetzt. Am Strand von Elafonissi. Mit meinen Füßen im libyschen Meer. Und bei den Göttern, es ist magisch. Die Sonne scheint von einem strahlend blauen Himmel, das Meer schlägt leise Wellen an den Strand. In der Ferne sehe ich eine kleine Anhöhe mit einem Haus und einem Windrad. Die Zeit bleibt kurz stehen. Ich fühle, wie etwas in mir verrutscht, leichter wird, sich auflöst. An so einem Tag, an so einem Ort, kann sich nichts Dunkles und Schweres in meinem Inneren festhalten. Für den Moment habe ich über all diese Last auf meinen Schultern und die Steine in meinem Bauch gewonnen.

Ich atme tief ein, fülle meine Lungen mit Glückseligkeit – es ist, als wäre ich unbesiegbar. Dann laufe ich los, stürze mich ins klare blaue Wasser, welches einen wunderschönen Kontrast zum pinken Streifen am Strand bildet. Ich tauche mit dem Kopf unter und jauchze beim Wiederauftauchen. Ja, heute bin ich unbesiegbar.