
Ich stehe zwischen den beiden Felswänden der Samaria Schlucht. Zwischen links und rechts ist nicht viel Platz. Nur ein paar Meter. Die Wände hingegen sind bis zu 600 Meter hoch. Mein Blick wandert entlang des Gesteins hinauf, und ich sehe deutlich die Spuren, die das Schmelzwasser aus den White Mountains jedes Jahr aufs Neue hinterlässt. Ein ewiger Kreislauf: Es schneit, es taut, das Wasser fließt die Berge hinunter, strömt mit reißender Geschwindigkeit durch die enge Schlucht ins Meer, versiegt fast vollständig im Sommer und beginnt im nächsten Frühjahr von vorn.
Und mittendrin stehe ich, staunend über die Schönheit von all dem. Ein Gedanke drängt sich mir auf, beinahe schmerzlich: Die Natur braucht uns dafür nicht. Zwischen den Felswänden der Samaria-Schlucht bin ich klein, unbedeutend, vergänglich. Doch diese Schlucht ist atemberaubend, gewaltig, majestätisch – und das seit mehr als zwei Millionen Jahren. Sie trotz Wassermassen, Jahreszeiten und jährlichen Besucherströmen. Nichts davon mindert ihre Wildheit. Eine raue, beinahe ungezähmte Wildheit, die mich sprachlos und demütig macht.
In diesem Moment, in dieser Schlucht, zwischen den steil aufragenden Felswänden, wünsche ich mir, wir Menschen könnten es wie die Natur machen: unsere Mitwelt bereichern, erfüllen, berühren, mit der Schönheit, die wir erschaffen. Ich stelle mir vor, wie jeder Mensch seinen Teil zu dieser Schönheit beiträgt, statt die Schönheit anderer zu zerstören. Ich versuche, meinen Teil durch das Schreiben beizutragen. Und so fließen diese Worte aus meinem Stift, wie das Wasser im Frühjahr durch eine Schlucht namens Samaria.

