
Jeden Morgen sieht die Wiese vor meinem Waldhäuschen anders aus. Mal hängen winzige Wassertropfen an den Gräsern und Blüten, so dass sich, wenn die Sonne darauf scheint, ein Meer von Diamanten über die Wiese verteilt. Manchmal hängen dicke Tropfen an den Pflanzen, die aussehen wie Tränen, die jemand in der Nacht vergossen hat. Im Sommer laufe ich barfuß durch Klee und Löwenzahn und genieße die morgendliche Erfrischung an meinen Füßen. Im Herbst häufen sich die Morgen, an denen sich die Diamanten in kleine Schneeflocken verwandeln. Dann knirscht es, wenn ich über die Wiese laufe. Ich liebe es, egal welche Jahreszeit, am Morgen auf der kleinen Holztreppe zur Veranda zu sitzen und dem Morgentau beim Glitzern zuzuschauen. Mit einer heißen Tasse Tee sitze ich dort und lasse meinen Gedanken freien Lauf. Schmetterlinge tummeln sich dann bereits über dem Morgentau und Bienen summen fleißig bei der Arbeit, während die Sonne gerade so über die Wipfel der alten Wildapfelbäume schaut. Egal, wie viele Tage im Jahr ich es schaffe, am Morgen draußen zu sitzen, ich kann nie genug davon bekommen. Die Stille, die Ruhe, das Funkeln. Wenn ich lange genug still sitze, kommt auch mal ein Eichhörnchen oder der Feldhase durch das nasse Gras vorbei. Amseln suchen nach Regenwürmern und führen einen lustigen Tanz auf, wenn sie einen geschnappt haben und diesen aus der Erde ziehen wollen. Und über all dem funkelt die Sonne und lässt den Morgentau im rechten Licht erscheinen. Die Szenerie hat etwas Verwunschenes und ich bin Beobachterin und Vertraute zugleich.
