10 Minuten Zeitlosigkeit

Zeitlosigkeit. Genau jetzt. Immer dann, wenn ich den Timer auf 10 Minuten stelle und beginne zu schreiben. Eigentlich ein Widerspruch in sich, doch für mich nicht. 10 Minuten Zeitlosigkeit, sobald ich den Countdown starte. Es ist, als falle ich in einen luftleeren Raum. Nein. Das klingt falsch. In einen zeitlosen Raum. Für 10 Minuten bleibt alles stehen, blende ich alles aus. 10 Minuten Hyperfokus auf eine einzige Sache: Auf den Stift in meiner Hand und das Papier, über welches meine Haut streift. Bei den Göttern, wie ich es liebe! Es ist eines der besten Gefühle überhaupt, und ich muss es wissen, konnte ich doch jahrelang gar nichts fühlen. Ich liebe jedes einzelne Wort, das aufs Papier fällt. Jeden Strich, jeden Punkt, jeden Schwung. So viele Möglichkeiten. Immer und überall. Während meiner täglichen 10 Minuten Zeitlosigkeit bin ich ganz bei mir. Vollständig im Hier und Jetzt. Ich kann meine Gedanken so klar hören, als flüsterte ich sie mir selbst ins Ohr. Ein wohliges Wispern, eine klare Botschaft. Mein Stift flitzt übers Papier wie eine Eiskunstläuferin. Ist das hier Kunst? Wohl kaum. Und irgendwie doch. Jedes Wort ein Teil von mir, welches sich in perfekter Symbiose mit dem Papier verbindet und sichtbar macht, was vorher unsichtbar war. Schreiben – ein Genuss, ein Fest, meine große Liebe. Jeden Tag wieder. Nie hätte ich das für möglich gehalten. Niemals geglaubt, dass es mich so hart erwischen könnte. Dabei fühlt es sich nicht hart an. Eher weich, wärmend, wie eine zärtliche Umarmung. Jedes Wort eine liebevolle Umarmung.