
Es vergeht kaum ein Tag, an dem mir die Welt nicht zu groß, zu laut, zu voll oder zu viel ist. Manchmal auch alles gleichzeitig, und ich meine das in erster Linie sensorisch. Während die Außenwelt auf mich einprasselt wie ein Sommergewitter, zieht sich mein Inneres zusammen wie eine Schnecke, die man an ihren Fühlern berührt. Schwupps bin ich in meinem Schneckenhaus. Der Ort, an dem es ruhig und wenig ist. Wenn ich so darüber nachdenke, ist mein Schneckenhaus sogar mehr als ein Ort. Es ist mein Zimmer mit dem gemütlichen Sofa und dem kuscheligen Bett. Es sind die Geschichten, die ich lese (und ich lese oft und viel), aber auch die Worte, die ich selbst zu Papier bringe. Und in den wärmeren Monaten ist es das kleine Häuschen, welches am Rand vom Harz auf einer kleinen Bergkuppe steht. Umgeben von Feldern und einem kleinen Wäldchen, eingehüllt in den Gesang von Amseln und Drosseln, den Ruf des Kuckuck und das rhythmische Klopfen der Spechte. Jeder dieser Rückzugsorte bietet mir Heilung und Erholung für einen anderen Schmerz. Für verschiedene Arten von Reizüberflutung. Ich bin dankbar, diese Möglichkeiten zu haben. Doch mehr noch bin ich dankbar, endlich verstanden zu haben, wie wertvoll und wichtig jede einzelne Rückzugoption für mich ist. Unverzichtbar im Grunde. Ich kann kein Teil dieser Welt sein, wenn ich mich nicht auch ausreichend aus ihr zurückziehen kann. Zu groß, zu laut, zu voll, zu viel. Mein tägliches Dilemma. Aber alles nicht mehr so unerträglich, seit ich gelernt habe, die Tür hinter mir zu schließen, sobald mir alles zu viel wird.
