
Wenn im Herbst die ersten glänzend-braunen Kastanien auf dem Boden liegen, kann ich nicht mehr an mich halten. Ich muss eine dieser Kugeln in meine Hand nehmen und sie wieder und wieder darin umherrollen. So glatt, so rund, beinahe samtig. Das Umherrollen hat etwas Beruhigendes für mich. Und wie schön diese Frucht schimmert! Nehme ich eine Kastanie mit in meine Wohnung, verliert sich ihr Glanz ziemlich schnell. Drinnen bekommt ihr scheinbar nicht besonders. Doch draußen schimmert sie mit den Regentropfen um die Wette. Meine erste gesammelte Kastanie des Jahres trage ich den restlichen Herbst in meiner Jackentasche mit mir herum. Ich mag auch das Geräusch, wenn ihr Stachelpanzer auf der Erde aufschlägt – knack – aufbricht und eine weitere Frucht freigibt. Kastanienwesen bastle ich schon lange nicht mehr, doch meine Faszination für diese runden Kugeln ist ungebrochen. Manche sehen aus wie Pralinen. Und das Farbspiel: grüner Stachelpanzer, braune Frucht, fast gelber Kern. Herausgeputzt haben sich die Kastanien in meinem Hof. Der dazugehörige Baum färbt seine Blätter übrigens immer als Erstes braun. Dann weiß ich: Jetzt beginnt der Herbst. Oft schon Ende August. Kastanien – Pralinen des Herbstes. (Warum nur denke ich ständig an Süßigkeiten?)
