
Ich fahre mit dem Auto auf der Autobahn. Über mir ist der Himmel in eine dicke Wolkendecke eingepackt. Irgendwo schräg hinter mir sehe ich einen hellen Fleck, der wohl die Sonne sein soll. Links und rechts der Straße säumen Felder meinen Weg, stehen Baumgruppen, Windräder, Kuhherden. Plötzlich und ohne Vorwarnung verschwindet die Landschaft. Ich kann kaum noch die Straße vor mir sehen. Schilder, Markierungen, andere Autos – alles weg. Wo kommt der Nebel so plötzlich her? Etwas panisch suche ich die Nebelschlussleuchte, während ich das Tempo drossle. Bloß gut, dass ich diese Strecke schon so oft gefahren bin. An meiner Ausfahrt ist ein riesiger Berg aus Gestein und Schutt aufgehäuft. Über die Jahre sind auf ihm sogar ein paar Bäume gewachsen. Ich sehe die Abzweigung, an der ich rausfahren muss, doch heute gibt es keinen Berg. Das ist verrückt! Wie kann ein meterhoher Berg mit Bäumen einfach vollständig verschwinden? Die Nebelschwaden sind so dicht, dass ich gerade eben die Straße vor meinen Scheinwerfern sehen kann. Die ganze Szenerie ist etwas gruselig und beunruhigend. Auf der Landstraße hoffe ich inständig, dass jetzt kein Wild die Straßenseite wechseln möchte. Weitere Kilometer kämpfe ich mich durch die verschluckte Landschaft, bis, so plötzlich wie er aufgetaucht ist, der Nebel wieder aufhört. Der Himmel ist blau, die Sonne scheint. Als wäre ich durch ein geheimes Tor gefahren. Wie cool wäre es bitte, wenn ich jetzt in Hogsmeade statt Harzgerode ankommen würde? Obwohl der Harz auch ohne Nebelschwaden genug Anreiz für mystische Geschichten bietet. Doch dazu ein anderes Mal.
