
Als meine Kinder noch klein waren, gab es in unserem Haushalt zwei Wärmflaschen. Für jedes Kind eine. Denn wollte ein Kind eine Wärmflasche, brauchte das andere Kind natürlich auch eine. Es war ein kleines Ritual, wann immer es einem der Kinder nicht gut ging. Es kuschelte sich mit einer Wärmflasche ins Bett und wollte eine Geschichte vorgelesen bekommen. Die eine Wärmflasche ist grün, mit einem Fuchs darauf, die zweite bräunlich, mit einer Maus. Die Tiere sind aufgestickt und die Hülle der Wärmflaschen aus kuscheligem Fleece. Ich schreibe „ist“, weil es die Wärmflaschen noch immer gibt, auch wenn sie heute nur noch selten in Gebrauch und eigentlich viel zu klein geworden sind. Denn meine Kinder sind gewachsen, das muss man sich mal vorstellen, obwohl ich ihnen ausdrücklich gesagt habe, dass sie das unterlassen sollen. Hat nichts genützt. Wenn sie aber eine Wärmflasche brauchen, werden sie automatisch wieder klein(er). Denn wer kennt es nicht, das schöne Gefühl, wenn man sich krank und angeschlagen fühlt und sich dann mit einer Wärmflasche ins Bett kuscheln kann. Am besten mit einer Wärmflasche, die von jemand anderem mit Liebe für uns vorbereitet worden ist. Geschichten lese ich keine mehr vor. Sehr schade, aber das hat Spotify in den letzten Jahren für mich übernommen. Dinge ändern sich leider oder zum Glück – wie auch immer man das sieht. Als Mama bin ich vor der Melancholie über heranwachsende Kinder nicht ausreichend geschützt. In Wellen überkommen mich Erinnerungen an die Tage, als meine Kinder noch klein waren. Heute kam wieder so eine Welle. Schön zu sehen, wie die eigenen Kinder groß und selbständig werden. Aber auch traurig, weil die gemeinsame Zeit streng limitiert ist und sich für mich schon dem Ende zuneigt. Ja, Melancholie trifft es ziemlich gut. Vielleicht mache ich mir heute einfach mal selbst eine Wärmflasche und lasse mir Harry Potter vorlesen.
