
Wenn ich den Sommer über in meinem Häuschen im Harz wohne, sind dies oft Tage ohne Zeit. Ich lebe in den Tag hinein, lasse mich treiben, verwandle mich von meinem Stadt-Ich in mein Natur-Ich. Mittlerweile bin ich an dem Punkt, bei dem ich anhand des Schattenwurfes weiß, wie spät es ungefähr ist. Die Sonne wandert stetig, jeden Tag beinahe dieselbe Strecke. Die Bäume, Büsche und das Vordach werfen ihre Schatten auf den Rasen und es ist sonnenklar (haha), welchen Tagesabschnitt wir gerade begehen. Das sind definitiv die guten Tage und ich werde wohl niemals müde, von diesen Tagen im Harz zu schwärmen. Von den Tagen, an denen meine größte Sorge ist, ob ich meine Hängematte schnell genug zusammenrollen kann, wenn mal wieder eine Husche den Himmel verdunkelt. An diesen Tagen höre ich den Vögeln beim Erzählen zu. Ich beobachte Eichhörnchen und Spechte bei ihren Beutezügen. Ich fühle den Wind auf meiner Haut, mache ihn zu meiner zweiten Haut. Ich schwitze in der Sonne, beim Versuch, den einen oder anderen Löwenzahn zwischen dem Lavendel zu entfernen, und döse beim Schaukeln meiner Hängematte im Schatten ein. Ich sehe der Birke dabei zu, wie sie friedlich ihr Blätterkleid umher schwingt, und beobachte, wie die Amseln mit den Regenwürmern Tauziehen spielen. Ich unterhalte mich mit der Kätzchenweide und beschimpfe die wilde Brombeere, die sich überall in den Hecken ausbreitet. An richtig guten Tagen sitze ich abends am Lagerfeuer und grille mir ein Stockbrot, während mir die Fledermäuse Gute Nacht sagen.
