Anfangs nur ein Windhauch

Der Wind faucht mir um die Ohren, während ich wütend durch den Sand stapfe. Jeder Schritt bringt mich weiter weg von dir und das ist gut so. Neben mir peitscht das Meer an den Strand. Wild und ungezähmt. Ich wünschte, ich könnte auch so frei sein und alles aus mir heraus spülen, was mich an dich erinnert. Der Wind ist längst ein Sturm geworden und wickelt mich in sich ein. Er kitzelt an meiner Wut. Er will, dass ich schreie und meinem Ärger Luft mache. Aber ich kann nicht. Wie jedes Mal gibt es da diese leise Stimme, die mir aufdringlich zuflüstert: „Vielleicht bist du im Unrecht?“ Doch das bin ich nicht. Ich weiß es, sonst wäre ich nicht jedes Mal so wütend. Du verletzt mich mit Absicht. Du überschreitest meine Grenzen, um herauszufinden, wann ich dich aufhalten werde. Dabei würde ich so gern laut brüllen und fauchen wie der Wind um mich herum und dir Salz und Sand in deine Augen werfen. Ich will dich in meine Wut einwickeln, damit du mit ihr untergehst. Ich will dir entgegenschleudern, wie ungerecht ich all das hier finde und warum du an allem die Schuld trägst. Aber auch das wäre nur die halbe Wahrheit. Ich kann es spüren. Deshalb steckt die Wut fest in mir. Anfangs nur ein Windhauch, ab und zu zwischen den Wellen versteckt. Jetzt ein ausgewachsener Hurrikan, wann immer ich dein Gesicht sehe. Ich verliere die Kontrolle, deshalb entferne ich mich von dir. Mit jedem Schritt, den ich am Strand entlang stapfe. Während um mich herum die Welt unterzugehen scheint, bleibe ich noch immer stumm. Der Schrei in meinem Inneren ist trotzdem weithin zu hören.