
Die Dunkelheit und ich sind keine Freunde, denn ich bin ein Ferienlagerkind. Und wer selbst einmal im Ferienlager war, weiß, was das bedeutet. Ich weiß nicht, wie oft ich in meiner Kindheit und Jugend allein durch einen dunklen Wald laufen musste. Das war die Mutprobe, die zu jedem Ferienlager dazu gehörte. Ich bin mir sicher, daher kommt meine Panik vor Dunkelheit. Im Speziellen vor Dunkelheit im Wald. Trotzdem hatte ich eines Tages die tolle Idee, im Rahmen einer Ausbildung eine Nacht allein im Wald zu schlafen. Es war später September und bereits verdammt kalt. Am Tag vorher hatte es sogar gehagelt. Ich zog mit meinem Schlafsack und einem Thermobecher voller Tee los, um mir einen Schlafplatz zu suchen. Nachdem ich einen passenden Platz gefunden hatte, war es mir wichtig, diesen auch entsprechend zu kennzeichnen. Daher legte ich Stöcke auf den Boden und urinierte in alle Himmelsrichtungen, so wie es echt Waldbewohner nun mal tun. Mein Schlafsack war geliehen und der Reißverschluss war kaputt. Im Dunkel lag ich frierend und verängstigt in meinem abgesteckten Revier, und jede Waldmaus raschelte so laut, wie eine ganze Horde Wildschweine. Wie war ich nur auf diese blöde Idee gekommen? Ich schlafe doch so gern drin, in meinem Bett, mit einer Decke. Mit Heizung. Thermo- oder Outdoorbekleidung hatte ich zu diesem Zeitpunkt in meinem Leben noch nicht für mich entdeckt. Auch meine Horrorfilm-Phase mit etwa 16 Jahren war mir in dieser Nacht nicht besonders hilfreich. Aus dem Maus-Schwein, das sich raschelnd durch den Wald bewegte, wurde in meinem Kopf ziemlich schnell ein Axtm*rder. Ich bin für die Dunkelheit wirklich nicht gemacht. Trotzdem schaffte ich die Nacht irgendwie und platze bis heute vor Stolz darüber. Geheilt hat es mich vor meiner Angst in der Dunkelheit aber bisher leider nicht.
