
Ich brauchte lange, um meinen Schlafplatz im Wald zu finden. Ich wollte geschützt unter einem Baum liegen und gleichzeitig auch den Sternenhimmel sehen können, wenn es später dunkel würde. Nachdem ich kreuz und quer umhergelaufen war, wurde ich schließlich fündig. Am Rande einer Lichtung stand eine majestätische Buche, die scheinbar nur auf mich gewartet hatte. Sie gab den Blick auf den Himmel frei, wenn ich darunter stand, und bot dennoch auch Schutz, falls es heute Nacht regnen würde. Das Wetter war diese Tage launisch und unvorhersehbar – sicher war also sicher. Die Lichtung selbst sah aus, als hätte sich hier vor Kurzem ein Riese ausgetobt. Umgefallene Baumstämme, abgebrochene Äste, herumliegende Sägespäne, alles wahllos auf dem Boden verteilt. Die Bäume, welche die Lichtung eingrenzten, schienen vorwurfsvoll auf das hinterlassende Chaos zu blicken, doch meine Buche begrüßte mich freudig. Sanft raschelte der Wind durch ihre Blätter, und der Boden, unten am Stamm, war trocken und mit nur wenig kleinen Steinen bedeckt. Ganz im Sinne menschlicher Häuslichkeit begann ich als Erstes damit, mir von der Lichtung große Stöcke zu sammeln, um diese in einer rechteckigen Form, einem Haus gleich, um meinen Schlafplatz zu legen. Obwohl das natürlich Unsinn war, fühlte ich mich nun „sicherer“. Bestimmt würde jedes Wildschwein auf seinem Weg durch den Wald meine Stockgrenze als Zeichen verstehen und einen großen Bogen um mich machen. Auch Füchse und Hirsche hielten sich mit Sicherheit an mein Zutrittsverbot. Es lag eine ruhige Nacht vor mir, ganz bestimmt.
