Falsch

In mir braust es. Laut und wild und wütend. Bestimmt hast du es nicht so gemeint, aber der Übersetzer in meinem Kopf ist gnadenlos und jetzt klingt es, als wäre alles meine Schuld: Ich habe das nicht richtig gemacht. Ich habe mir nicht genug Mühe gegeben. Ich habe falsch gedacht und falsch gesprochen und letztlich – ich bin falsch. Ich kann es nicht richtig machen. Das ist es, was ich aus deinen Worten herausgehört habe. Und weiter wird übersetzt, dass ich demnach das Problem bin. Wie ich die Welt sehe, ist falsch. Wie ich die Welt verstehe, ist falsch. Wie ich mich in dieser Welt platziere, ist falsch. Was ich gebe und erwarte, ist ebenfalls falsch. Und wie ich mich darin sehe, ist auch falsch. Falsch, falsch, falsch. Ich will das nicht, aber deine Worte fegen über mich hinweg wie eine Sturmböe. Bringen alles durcheinander, brüllen mich an, dass ich keinen klaren Gedanken mehr fassen kann. Ich weiß nicht, wie es anders geht. Ich habe immer alles gegeben. Jetzt bin ich müde. Ich möchte nicht mehr. Das Anpassen und Verstellen, Maske tragen und nach dem Mund reden. Ich will dir ein gutes Gefühl geben, und gleichzeitig spalte ich mich ab. Denn das bin ich gar nicht. Ist es nicht endlich an der Zeit, dass jeder sein kann, wie er ist, und wir uns dann entscheiden, ob wir einander auch mit Ecken, Kanten und Macken mögen? Muss ich immer Schuld sein? Allein diejenige, über die Worte wie Sturmböen fegen. Die tagelang Bauchschmerzen hat, weil die Wut wie Wackersteine schwer in meinem Bauch liegt. Ich will das alles nicht mehr. Ich will einfach nur sein dürfen, wie ich bin. Magst du mich dann immer noch?