Was wäre wenn?

In Matt Haigs Buch „Die Mitternachtsbibliothek“ stirbt Nora und findet sich in einer Zwischenwelt, nicht mehr am Leben, aber auch noch nicht tot, wieder, welche eine unendliche Bibliothek ist. Und jedes Buch in dieser Bibliothek ist ein Leben, welches sie nicht gelebt hat. Jedes Buch beinhaltet eine Geschichte, die sie nicht erlebt hat, weil sie sich an dieser und jener Stelle für etwas anderes entschieden hat. Was wäre, wenn ich von Anfang an gewusst hätte, was ich in meinem Leben will? Was wäre, wenn ich das Schreiben nie nur als Hobby betrachtet hätte? (Bereits mit 17 sagte jemand zu mir, wenn du mal ein Buch über dein Leben schreibst, ich würde es lesen.) Was wäre, wenn ich keine Kinder bekommen hätte? Nie geheiratet hätte? Nie geschieden worden wäre? Was wäre, wenn ich studiert hätte? Wenn ich wie ursprünglich „geplant“ Tierärztin geworden wäre? Was wäre, wenn ich leiser, unfreundlicher, zielstrebiger, egoistischer gewesen wäre? Was wäre, wenn ich weit gereist und dort geblieben wäre? Was wäre, wenn ich reicher, schöner oder klüger gewesen wäre? Weniger gefeiert und mehr gelernt hätte? Was wäre, wenn ich mehr aufgepasst und weniger aufgefallen wäre? Was wäre, wenn ich mehr geglaubt, mehr vertraut und mehr verstanden hätte? So viele Möglichkeiten, so viele Leben, die ich nicht gelebt habe, weil ich mich an dieser und jener Stelle für etwas anderes entschieden habe: Für mein Leben. Ich werde den Rest meiner Zeit gemeinsam mit mir dieses, mein Leben, leben, und ganz gleich, was gewesen wäre, denn am Ende zählt nur, was gewesen ist und mich genau heute an diesen Punkt in meinem Leben gebracht hat. Und es zählt, dass ich gern hier bin, genau an diesem Punkt.