Ein kompletter Totalschaden

Ich halte meine Hände vorsichtig um den beschädigten Teil. Ich habe Angst, dass eine falsche Bewegung alles zum Einsturz bringen könnte. Meine Finger werden langsam taub, denn ich traue mich nicht, ihre Position zu verändern. Was ist, wenn das Ding vollständig zerbricht? In all seinen Einzelteilen explodiert und ich die Stücke nicht wieder zusammensetzen kann? Also halte ich noch eine Weile durch. Ich bin vorsichtig, umsichtig, aufmerksam. Dass mir bloß niemand zu nahe kommt! Ich versuche hier etwas zu reparieren, zu heilen, zu schützen, was ich selbst nicht beschädigt habe. Der Verursacher dieser Katastrophe hat sich aus dem Staub gemacht und tut nun so, als kenne er mich nicht. Besten Dank. Ich weiß nicht, wie lange ich bereits in meiner Position verharrt habe, aber ich beschließe, dass ich mich bewegen muss. Alles schmerzt. Vorsichtig ziehe ich meine Hände zurück und begutachte die Lage: Ein kompletter Totalschaden. Risse, Platzwunden, verkrustetes Blut. Blaue Flecken und ein tiefer Schnitt, der eine hässliche Narbe zurücklassen wird. Zerschunden und verletzt, aber am Leben. Mein Herz, das ramponierte Ding, schlägt noch, obwohl es mit Lügen getreten, ausgelacht und gebrochen wurde. Dieses wunderbare Ding will nicht aufgeben und ich bin ihm so unfassbar dankbar dafür. Meinem Herzen wurde übel mitgespielt, es ist eine offene Bruchstelle und es wird trotzdem eines Tages wieder lieben können. Da bin ich mir ganz sicher.