
Wilde Zeiten da draußen. Schlechte Nachrichten am Fließband. Jedes Mal, wenn ich Social Media öffne, piesackt mich eine weitere Hiobsbotschaft. Ist das ernst? Ein schlechter Gag? Eine schiefgelaufene Marketingkampagne? Kann doch mal passieren. Aber nein, alles real. Kein Spaß. Es wird immer leichter, sich in Resignation zu verlieren. Wer regiert hier eigentlich? Die da oben? Der Algorithmus? Alte, verstaubte Weltansichten und nicht totzukriegende Denkmuster? Ich möchte gern alles auf mein inneres Chaos schieben, dann hätte ich wenigstens noch einen Hauch von Kontrolle.
Trennung ist einfach. Unfollow, Block, Cancel. Verbindung ist schwer. Verbindung bedeutet, stehen zu bleiben und hinzuschauen. Sie bedeutet, ein Gespräch nicht zu beenden, nur weil es unbequem wird. Denn wenn wir nur mit Menschen sprechen, die exakt so denken wie wir – wie können wir dann lernen, unseren Horizont zu erweitern? Für mich beginnt Verbindung mit kleinen Gesten. Ein Lächeln an der Kasse, ein ehrliches „Wie läuft es bei dir?“ statt einem floskelhaften „Alles klar?“. Jemandem zuhören, ohne bereits eine Antwort im Kopf zu formulieren. Verbindung entsteht, wenn wir Fehler verzeihen – uns selbst und anderen – und reflektieren, statt zu projizieren.
Es gibt einen schmalen Grat zwischen Wachsamkeit und Paranoia, zwischen Haltung und Starrsinn. Sich selbst treu bleiben bedeutet immer wieder zu hinterfragen: Handle ich aus Angst oder aus Liebe? Konsumiere ich nur oder hinterfrage ich noch? Habe ich eine Meinung – oder nur eine Reaktion? Wer bin ich und wer will ich sein? Wie will ich mich einbringen, was hinterlassen? Und was kann ich tun, wenn ich die Antworten auf diese Fragen noch nicht kenne? Ein offenes Herz, ein kritischer Kopf, ein unbestechliches Bauchgefühl. Manchmal erwische ich mich selbst dabei, wie ich die negativen Schlagzeilen in mein System sickern lasse und ihnen einen perfekten Nährboden für Weltschmerz biete. Ich spüre, wie mich die Schlagzeilen verunsichern und auffressen wollen und ich mich nur noch in meinem Zimmer verkriechen will. Doch ich bin nicht mehr bereit, alles zu glauben, was ich lese, und lasse mich nicht mehr von leeren, schönen Versprechen einlullen, denen keine Taten folgen.
Am Ende geht es nicht darum, ob wir uns in allem einig sind. Sondern darum, ob wir uns morgen noch in die Augen sehen können – uns selbst und einander, wenn wir zulassen, dass die Resignation gewinnt. Resignation ist keine Option. Lasst es uns stattdessen mit Verbindung probieren.
