
Ob ich mich alt fühle? Ob es mich trifft, die Dreißiger hinter mir zu lassen? Wie oft wurde ich in den vergangenen Tagen gefragt: „Wie geht es dir damit, jetzt 40 zu sein?“ Als wäre ich aus dem Paradies vertrieben worden. Als müsste ich trauern oder wäre dazu verpflichtet, wehmütig zu sein. Aber ich sage es laut und deutlich: Ich bin nicht gefallen, ich bin aufgestiegen! Ich gehöre jetzt zum Club der Weisen, der Gereiften. Derjenigen, die sich nicht mehr alles gefallen lassen.
Mit 20? Da war ich naiv. Habe mein Leben auf Play gedrückt und gehofft, dass es einfach läuft. Mit 30? Da dachte ich, ich hätte einen Masterplan und das Leben bereits verstanden. Aber die 30er haben mich auseinandergenommen und mir gezeigt, dass das Leben kein verdammter Film mit Happy End ist. Denn wenn ich ehrlich bin: Meine 30er waren hart. Geprägt von Verlust, Schmerz und dem Gefühl, nicht zu wissen, wer ich bin und wohin ich gehöre. Ich war im Kampf. Gegen die Welt. Gegen mich. Eine endlose Aneinanderreihung von Versuch-und-Irrtum, mit mehr Irrtum, als mir lieb war. Ich habe gekämpft, bin gestrauchelt, habe verloren. Mehrfach. Und doch bin ich noch hier. Und nicht nur das: Ich bin furchtloser. Schlauer. Gefestigter.
40 ist kein „Oh nein, ich bin nicht mehr jung!“ 40 ist „Endlich muss ich niemandem mehr etwas beweisen!“ Ich muss mich nicht mehr dafür entschuldigen, wer ich bin. Ich weiß jetzt, wer ich bin. Ich weiß, was mir guttut und was nicht. Ich verschwende keine Zeit mehr mit dem Versuch, in Schubladen zu passen, die mir nicht einmal gefallen. Ich laufe keinen falschen Versprechungen mehr hinterher. Ich stelle nicht mehr infrage, ob ich genüge.
Denn ich genüge.
Wenn die 30er mir beigebracht haben, dass ich überleben kann, dann sind die 40er hier, um mir zu zeigen, dass ich leben kann. Auf eine bessere Weise. Mit mehr Klarheit. Mehr Nachsicht. Mehr Dankbarkeit. Mehr Mut. Mit 40 weiß ich, dass Scheitern kein Versagen ist, sondern ein Richtungswechsel. Ich weiß, dass Träume nicht nur vage Ideen sind, sondern Realität werden können, wenn ich den Mut aufbringe, ihnen zu folgen. Und vor allem weiß ich: Ich bin nicht alt. Ich bin gewachsen.
Oder wie eine Freundin kürzlich sagte: „Ab jetzt machen sich die Erfahrungen der letzten 20 Jahre bezahlt.“ Und genau das kann ich spüren. Denn heute bin ich achtsamer, stärker, gesünder und klüger als mit 30. Und ich glaube daran, dass es ab jetzt nur besser werden kann. Denn 40 ist nicht das neue 30. „40 ist wie 20, nur doppelt so gut“, sagt meine beste Freundin – und die muss es wissen, denn sie ist mir ein halbes Jahr voraus. Also hoch die Gläser auf das Leben. Jetzt geht es erst richtig los. Alt? Darüber kann ich nur lachen!
