Fake it till you make it

Ich erinnere mich genau an den Tag, an dem ich mein Social-Media-Profil einrichtete. Eine halbe Stunde lang saß ich vor dem blinkenden Cursor, als hätte ich gerade eine Atombombe zu entschärfen. Ich starrte auf die Kategorie-Auswahl: Autor/in. Really? Darf sie das? Bin ich das? Der Cursor blinkte gleichmütig vor sich hin, während in meinem Kopf ein ganzer Film ablief. Fake it till you make it. Klingt irgendwie shady. Nach Hochstapelei. Nach jemandem, der zu laut hustet, wenn er am Sicherheitsdienst vorbeigeht. Aber ich finde, da steckt mehr drin. Vielleicht muss man sich manche Dinge einfach selbst zusprechen, bevor sie sich echt anfühlen. Vielleicht braucht es mitunter das richtige Label, um uns daran zu erinnern, wo wir hinwollen.

Ich begann zu googeln. Autoren sind Menschen, die schreiben. Okay, easy. Das tue ich. Das tat ich schon immer. Oder zählt das erst, wenn ein Verlag hinter mir steht und mein Buch in einem Regal steht? Und wenn ja, wem muss das Regal dann gehören? Mir? Thalia? Bookstagram? Ich wollte mich nicht aufspielen, mich nicht als jemand ausgeben, der ich nicht war. Aber ich wusste auch: Ich stehe nicht mehr vor der Tür und klopfe höflich an. Ich stehe längst drin. Ich schreibe. Ich veröffentliche. Und bisher war niemand empört an mich herangetreten, um mir meine Texte um die Ohren zu hauen.

Habe ich mich damals als Autorin gefühlt? Nein. Sonst hätte ich nicht so lange auf diesen verdammten Cursor gestarrt. Und trotzdem – irgendwann klickte ich „Autor/in“, drückte auf Speichern und die Welt blieb stehen. Also natürlich nicht im Außen, aber in mir drin. Von da an wachte ich morgens auf und dachte: Ich bin Autorin! Auch wenn es sich bisher nicht danach anfühlte. Fake it till you make it. Ein paar Monate später schrieb und veröffentlichte ich bereits mein erstes Buch.

Habe ich also gefakt? Nein. Ich habe nicht so getan, als ob, und gehofft, dass es keiner merkt. Ich habe mir das Wort „Autorin“ gegeben, bevor ich es mit all dem füllen konnte, was ich heute vorzuweisen habe. Weil ich wusste, dass ich es später mit Bedeutung aufladen werde. Es war meine Motivation. Meine Karotte an der Angel. Nicht um blind hinterherzulaufen, sondern als Richtungsweiser. Noch immer bin ich bestrebt, dieses Wort mit Bedeutung und Leben für mich zu füllen. Und wenn ich mich unterwegs verliere, denke ich an diesen Tag. An den blinkenden Cursor. Wohin wollte ich noch gleich? Nicht vom Wegesrand ablenken lassen. Den Blick immer auf die Karotte gerichtet. Da geht es lang. Vorwärts.

Fake it till you make it? Unbedingt! Wir sollten wirklich damit aufhören, darauf zu warten, dass die Welt uns ein Label gibt. Eines, das am Ende nicht mal richtig zu uns passt. Wir wissen doch längst, wer wir sind. Wir fühlen es. Sonst würde es uns nicht immer wieder in diese eine Richtung ziehen. Sonst könnten wir einfach loslassen und mit etwas anderem weitermachen. Aber das tun wir nicht. Weil es unser Ding ist. Weil es nach uns ruft. 

Ich habe mir das Schreiben nicht ausgesucht – es hat mich gefunden. Und eines Tages habe ich mir erlaubt, das Label zu tragen, das ohnehin für mich bestimmt war. Vielleicht braucht es anfangs ein bisschen Mut, vielleicht fühlt es sich noch ungewohnt an. Aber es ist in Ordnung, die Dinge beim Namen zu nennen, bevor sie offiziell sind. Also nimm deinen Platz ein. Sprich es aus. Schreib es hin. Setz dein Label darauf. Und wenn der Cursor blinkt, klick auf „Bestätigen“!

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