World Poetry Day: Der Kampf in uns

Happy World Poetry Day!

2025 zum Thema „Poesie für Frieden und Einheit“. Hierbei geht es um die Rolle der Poesie bei der Förderung von Harmonie, der Verbindung von Kulturen und dem Ausdruck tiefer menschlicher Gefühle.

Dazu habe ich mir ein paar Gedanken gemacht.

Wir reden über Frieden, über Einheit, über Harmonie zwischen Kulturen – als wären das Dinge, die an einem unbekannten Ort entschieden werden. In Konferenzen, in Verträgen, in großen Gesten. Aber ich glaube, Frieden beginnt nicht auf Gipfeltreffen, sondern in uns selbst. Denn jeder äußere Konflikt ist letztlich ein innerer. Neid zeigt uns, was wir zu brauchen glauben, und offenbart einen inneren Mangel. Wut macht sichtbar, wo unsere Bedürfnisse unerfüllt bleiben. Eifersucht entspringt dem Wunsch nach Besitz und Kontrolle. Angst zeigt uns, wo wir uns selbst nicht vertrauen, wo wir uns unsicher fühlen und Halt suchen, weil wir dem Unbekannten misstrauen. Sie markiert unsere Grenzen.

Die Liste ist lang, aber die Richtung bleibt immer dieselbe: Die Kämpfe, die wir im Außen austragen, sind oft nur Spiegel unserer eigenen inneren Schlachtfelder. Unversöhnte Anteile, offene Wunde, verdrängte Wahrheiten. Doch wer gibt das schon gerne zu? Ehrlich mit sich selbst zu sein, ist unbequem und oft schmerzhaft. Sich einzugestehen, dass das Problem vielleicht nicht „die anderen“ sind, sondern unsere eigenen Unsicherheiten und Schatten – das ist brutal. Also schieben wir die Verantwortung weg. Wir verdrängen die Unsicherheiten, die uns an unsere Grenzen bringen, und suchen die Schuld draußen. Wir machen andere zu Gegner, weil es einfacher ist, sie zu bekämpfen, als uns selbst zu stellen.

Was glaubst du, passiert, wenn wir den Mut fassen würden, uns selbst in all unseren Widersprüchen zu sehen, anstatt die Fehler bei anderen zu suchen? Wenn wir uns selbst akzeptieren, anstatt unsere Unsicherheit in Angriffen gegen andere zu verstecken? Was, wenn wir unsere Ängste nicht mehr abwehren, sondern sie einfach als das anerkennen würden, was sie sind: ein Zeichen, dass wir an unsere Grenzen stoßen? Ich bin überzeugt, dann würde Frieden nicht nur eine politische Floskel sein, sondern eine Haltung. Dann wären andere Menschen keine Bedrohung mehr, sondern eine Bereicherung.

Ich glaube auch, dass es, um uns unseren inneren Kämpfen zu stellen, mehr benötigt als einen starken Willen und Durchhaltevermögen. Es braucht Selbstakzeptanz, um uns mit unseren Fehlern und Unvollkommenheiten anzunehmen. Ehrlichkeit, um uns selbst ohne Ausflüchte zu erkennen. Geduld, weil Heilung Zeit braucht. Selbstmitgefühl, um uns selbst mit Fürsorge zu begegnen. Und Vertrauen, dass der Weg, den wir gehen, uns zu mehr Klarheit und Frieden führen wird.

Wahrer Frieden beginnt nicht mit Worten, sondern in den Räumen dazwischen, in denen wir uns selbst begegnen – in der Art und Weise, wie wir uns selbst sehen und mit dieser Haltung auf andere zugehen. Wenn wir unsere inneren Kämpfe anerkennen und uns ihnen stellen, können wir nicht nur als Individuen wachsen, sondern auch als Gesellschaft. Frieden, Einheit und Harmonie sind dann keine leeren Worte mehr, sondern das natürliche Resultat unserer Bereitschaft, uns selbst zu heilen und uns in unserer Menschlichkeit zu begegnen.

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