Erwachsen? Mein A****

Eines Tages passiert es. Die Leute, die früher mit dir in verrauchten Clubs getanzt haben, nächtelang trinkend über das Leben philosophierten und sich schworen, nie so zu werden wie „die Erwachsenen“, reden plötzlich über Steuern, Immobilien und Bausparverträge. Und nicht etwa aus einer rebellischen „Ich trickse das System aus“-Perspektive, sondern weil sie es wirklich spannend finden. Als hätten sie einen geheimen Vertrag unterschrieben, der besagt, ab 30 nur noch in materiellen Erfolgen zu träumen.

Ich konnte mich da nie einfühlen. Vielleicht, weil ich früh Kinder bekommen habe und mein Leben ohnehin schneller auf Erwachsenensein umgeschaltet hat als bei den meisten in meinem Umfeld. Während andere sich Zeit ließen, um langsam in diese Welt der Steuerklassen und Versicherungspakete einzutauchen, wurde ich direkt hineingeworfen. Klar, Verantwortung tragen ist Teil des Deals. Rechnungen zahlen. Termine einhalten. Dafür sorgen, dass der Kühlschrank nicht nur aus Bier und Ketchup besteht. Aber warum hört damit oft auch das Träumen auf? Warum wird nicht mit derselben Begeisterung darüber gesprochen, welches Konzert man zuletzt gefeiert hat, welches Buch einen umgehauen hat oder welche verrückte Idee man eigentlich schon immer mal umsetzen wollte?

Stattdessen immer diese Gespräche, in denen sich Erwachsene gegenseitig ihre Lebensentscheidungen absegnen. Häuser, Kredite, Karriereleitern. Mein Haus, mein Auto, mein Boot – als wären das die einzigen echten Fortschrittsanzeigen im Leben. Und wenn man da nicht mitspielen will, kommt man sich schnell wie der größte Versager im Raum vor. Aber was, wenn ich all das gar nicht brauche, um mich vollwertig zu fühlen? Wenn mein Selbstwert nicht daran hängt, was ich besitze, sondern daran, was mich bewegt? Ich möchte anderen Zielen folgen. Nicht den sichtbaren, mit Einbauküche und Tiefgaragenstellplatz. Sondern den unsichtbaren, die keinen Wiederverkaufswert haben, aber mich nachts noch grinsen lassen. Ein gutes Gespräch. Ein mutiger Schritt. Eine Idee, die mich so sehr begeistert, dass sie mir den Schlaf raubt. Mein Reichtum steckt nicht in Quadratmetern oder Aktienpaketen, sondern in dem, was mich lebendig macht.

Ich verstehe nicht, warum sich so viele Erwachsene selbst einengen, obwohl sie endlich die Freiheit haben, ihr Leben so zu gestalten, wie sie es sich früher erträumt haben. Als Kinder dachten wir, Erwachsensein bedeutet, endlich alles tun zu können – und dann tun die meisten … nichts. Oder nur das, was sie glauben, machen zu müssen, das, was erwartet wird.

Ist das Typsache? Ein ungeschriebenes Gesetz? Oder einfach nur die bequemste Art, sich mit dem eigenen Leben abzufinden? Ich weiß es nicht, aber dafür bin ich ganz sicher nicht erwachsen geworden. Ich möchte nicht jeden Tag dasselbe tun, bis sich die Tage kaum noch unterscheiden. Ich möchte diese Tage auch nicht damit verbringen, einem System zu dienen, das mir einredet, ich müsste erst etwas besitzen, bevor ich etwas wert bin. Mehr arbeiten, mehr kaufen, mehr vorzeigen – als wäre mein Wert an Quadratmeter, Kontostand oder Karrierestufen gebunden. Und ganz sicher will ich keine Gespräche über Rentenpläne, Versicherungen und Kapital führen. 

Falls es eine Regel gibt, die besagt, dass Erwachsensein bedeutet, die eigenen Träume gegen Bequemlichkeit einzutauschen, dann will ich sie brechen. Und wenn du das hier liest und spürst, dass da noch mehr sein muss als Rechnungen und Routinen, dann brich sie mit mir. Ich will wissen, was dich bewegt, dich motiviert, dich antreibt und träumen lässt. Lass uns gute Gespräche führen. Lass uns träumen. Lass uns so leben, dass sich Erwachsenwerden wirklich gelohnt hat.

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